Belichtet und Benebelt

LIes dich rein.

„Dieses Buch ist ein Gesprächsangebot an uns Alle. In 6 Kapitel führe ich dich ungeschönt, nicht gefiltert durch meine Geschichte, zwischen Rampenlicht und einem grossen Traum der mich fast das Leben gekostetet hat.»

Kapitel 1

AUFWACHSEN UND GROSS WERDEN

Seite 25

Ihre eigene Kindheit war ein Alptraum, ein Cocktail aus Gewalt, Pflegefamilien und dem ständigen Gefühl, kein Zuhause zu haben, in dem man wirklich sicher ist. Ein Leben voller geschlossener Türen. Sie war auf einer endlosen Suche nach sich selbst, nach einer Antwort auf die Frage: „Wer bin ich überhaupt?»

Und trotzdem – oder vielleicht genau deswegen – war sie für mich immer mein Anker. Mein Ein und Alles. Sie wusste, wie man Mutter ist. Nicht perfekt im gesellschaftlichen Sinne, aber perfekt in dem, was ein Kind wirklich braucht: gesehen zu werden, geliebt zu werden, nicht nur versorgt, sondern ernst genommen.»

Kapitel 2

DIE KAMERA ALS FLUCHTPUNKT

Seite 64

„Ich war müde von dieser Verantwortung bei Mama. Ich aber wollte einfach raus. Ich sträubte mich gegen dieses Schulsystem, gegen den Plan, der angeblich schon für mich feststand. Ich war 16, ein Junge mit zu vielen Fragen und zu wenig Antworten.

Aber genau da kam die Fotografie in mein Leben. Meine Mutter fotografierte früher, als sie noch gesund war, immer selbst sehr gerne, ihre Aufnahmen aus der Zeit vor ihrem Unfall haben mir gefallen, sie hatten etwas Ehrliches, etwas Unaufgeregtes.»

Kapitel 3

Das nackte 
überleben

Seite 92

„Weder Militär, noch Ehe, noch dieser St. Galler Vorort konnten mich zur Ruhe bringen. Ich wollte fotografieren, kreativ sein, und bekam nur Kaserne und Langeweile. Betrunken, müde, in Militärstiefeln und dem grünbraunen Tenü B, öffnete ich die Wohnungstür. Und hörte lautes, lustvolles Gestöhne.

Ich stand da. Erstarrt. Alles in mir kochte hoch: Wut, Ekel, Schmerz. Rechtsumkehrt, raus. Es fühlte sich an wie ein schlechter Film.»

Kapitel 4

Mauern der fassade

Seite 143

„Mama war zwar psychisch sehr angeschlagen und die Medikamente trübten ihre Wahrnehmung, doch blöd war sie nicht. Nein, ganz im Gegenteil: Sie war blitzklug.

Ich konnte nicht einmal ‚Hallo‘ sagen. ‚Ich habs dir gesagt, das war deine letzte Chance.‘ Der Satz kam aus ihrem Mund in einem Mix aus absoluter Wut und innerer Trauer. Ich war auf der Stelle nüchtern, fokussiert, so klar wie noch nie an diesem Tag. Mir dämmerte das Schlimmste.»

Kapitel 5

HOCHFUNKTIONAL IM FREIEN FALL

Seite 184

„Aber an diesem Abend weigerte ich mich, nicht mehr zu meiner Sucht zu stehen. Ich schenkte mir ein Glas Wein nach dem anderen ein, ohne zu merken, was am Tisch passierte. Irgendwann war ich sturzbetrunken, die Gespräche waren nicht mehr freundlich, sondern vorwurfsvoll und respektlos gegenüber allen, die am Tisch sassen.

Zu Hause der Gang zum Kühlschrank, ich soff weiter, bis ich am nächsten Morgen total verkatert aufwachte. Sie sah mich an mit Augen, die nicht zurückkamen. Verzweifelt, leer, hilflos.»

Kapitel 6

Nüchtern werden 
und bleiben

Seite 194

„Ich war müde von den letzten Jahren, müde von all den Beziehungen, zwei Scheidungen, dem Stress, war ohnmächtig vor Müdigkeit. Mein Tagesablauf wurde monoton, ich verkroch mich nur noch zu Hause. Ich verliess das Haus nur aus einem Grund: um Nachschub zu holen, Nachschub, um meine Gedanken und Ängste zu betäuben, die Stimmen im Kopf zu übertönen.

Ich konnte den inneren Alarm nicht mehr ertragen, dieses quälende Signal, das mir klipp und klar zwei Optionen zuschob: Entweder bringst du dich jetzt um, oder du hörst auf zu saufen. Dieser innere Konflikt trieb mich in die Verzweiflung und in ein Delirium, das jedes normale Denken verunmöglichte.»

jetzt erhältlich

Belichtet und Benebelt

Ich habe mich fast zu Tode gesoffen. Während ich Anerkennung jagte, während meine Bilder Kampagnen und Plattencover prägten, fiel ich selbst ins Nichts. Es war nie genug. Nie still. Nie satt. Die Sucht frass alles. Fotografie wurde Tarnung, ein glänzendes Lügenkostüm, um den Gestank des Alkohols zu verdecken.

Ich träumte davon, Fotograf zu werden. Ich wurde es – und ich zerstörte mich selbst. Hinter jedem Bild der Rausch, hinter jedem Erfolg der Absturz. Mein Name ist Oliver Baer, 37 – und ich habe überlebt. Dies ist kein Denkmal, sondern eine traurige Biografie. Keine Hochglanz-Legende, kein Filter. Nur Blut, Schweiss, Suizidgedanken – und ein fehlendes Teil, das ich erst beim Schreiben fand. Ein Buch wie ein kalter Entzug: Es tut weh. Es macht wach.

 

Dieses Buch ist ein Schlag in die Fresse. Es solldich wachrütteln. Es soll dich zwingen hinzuschauen.Vielleicht auch, dein eigenes Verhältnis zum Rauschneu zu sehen.
Heute bin ich nüchtern. Ich lebe und Du?

 

272 Seiten, 39 Fotografien, französische Broschur, Taschenbuchformat.

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Lesermeinungen

Rated 5 out of 5
Ertappte Betroffene Ein Lieferungsfehler lies eine ehemals Süchtige als ertappte Betroffene zum Buch von Oli greifen - und sie legte es nicht mehr aus der Hand, bevor es ausgelesen war! Schonungslos ehrlich, mit dem Finger auf die alten Wunden zeigend und trotzdem voll Zuversicht und Hoffnung mitten aus dem Leben geschrieben. Ein Muss für Süchtige, für die, die denken, diese be- und abwerten zu müssen und für alle, die an Wunder glauben.
Anoynm / Orellfüssli
Rated 5 out of 5
Ein wichtiges Buch über Alkoholabhängigkeit Ein sehr ehrliches und mutiges Buch. Oliver Baer beschreibt schonungslos, wie es sich anfühlt, mitten in der Sucht zu stecken, nach aussen funktionierend, innerlich zerfallend. Das Lesen war berührend und teilweise schwer, aber unglaublich wichtig. In meiner eigenen Familie ist Alkoholabhängigkeit Realität, und dieses Buch hat mir geholfen, vieles besser zu verstehen. Danke für diese Offenheit!
Florence / Orellfüssli
Rated 5 out of 5
Dank meiner Unterstützung des Crowdfundings durfte ich das Buch schon lesen und es hat mich zutiefst berührt. Oliver erzählt seine Geschichte schonungslos, ehrlich und ohne Verschönigung. Pointiert geschrieben, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, liest sich das Buch trotz seines schweren Themas erstaunlich leicht. Es regt zum Denken an und bleibt im Kopf. Wer eine wahre Lebens- und Leidensgeschichte zum Thema Alkoholismus und Sucht aus der Perspektive eines Betroffenen lesen möchte, sollte zu diesem Buch greifen. Ein mutiges und wichtiges Buch, das berührt und wachrüttelt. Mit seiner präventiven Wirkung eignet es sich für den Schulunterricht.
Janine / Exlibris